Stuttgart, Starnberg, 5./6. Juli 2012 - „FIRST“ analysiert spezifische Daten aus sozialen Netzen. IT unterstützt bei Prognosen zur Erkennung von marktmanipulativem Verhalten…
Zum Hintergrund: Das Ziel des EU-Projektes „FIRST“ ist es, eine intelligente Informationssoftware zu entwickeln, welche Daten aus dem Internet nutzbar macht und Finanzmarkt-Akteure in ihrem Entscheidungsprozess unterstützt (KI-App und Business Analytics / aka Big Data). FIRST steht für "large scale inFormation extraction and Integration infRastructure for SupporTing financial decision making".
Hierzu werden unstrukturierte Daten-/Informationen aus sozialen Netzwerken, Blogs oder Foren extrahiert, gebündelt und zusammen mit strukturierten Daten quasi in Realtime analysiert...
De facto sind Gefühle, Stimmungen und Meinungen im Web zwischenzeitlich die Basis für unzählige Investitionsentscheidungen. In einem komplexer werdenden Finanzmarktumfeld stellt dieses sogenannte "Sentiment" deshalb eine wichtiger werdende Informationsquelle dar, um Ereignisse frühzeitig erkennen und beurteilen zu können. Aus Storage-Sicht sind bei BI- und Big Data Anwendungen neben hohen Performance-Anforderungen für Ein-/Ausgabesysteme auch Themen wie die Daten-DeDuplizierung für Webdaten (hoher Redundanzgrad) wichtige Aspekt bei der Realisierung eines entsprechend leistungsfähigen Data-/Information- Management-Systems. Siehe hierzu auch den FIRST Blog "Detecting Near-Duplicates in Documents Streams" unter:
> http://project-first.eu/content/detecting-near-duplicates-document-streams
Herr Ulli Spankowski, der das Projekt an der Börse Stuttgart leitet, unterstreicht die Bedeutung von „FIRST“ für die gesamte Finanzbranche. Zitat: „Die enorme Flut an heterogenen und unbeständigen Informationen lässt sich ohne eine automatisierte Filterung und Verdichtung nicht bewältigen. IT-Lösungen können Finanzmarktakteure dabei unterstützen, die relevanten Informationen in Echtzeit zu erfassen und zu analysieren. Dies gilt insbesondere für Blogs und soziale Netzwerke, deren Bedeutung als Plattform für den Informationsaustausch und die Meinungsbildung für finanzwirtschaftliche Themen kontinuierlich wächst.“ Nachfolgend die prinzipielle Vorgehensweise laut Project-Beschreibung (Originalzitat, Quelle siehe Weblink unten):
- "...Collect and process massive amounts of heterogeneous, structured and unstructured data as for instance textual data, largely scattered web information from blogs, bulletin boards etc., or historical data from economic databases
- Integrate this data into a financial knowledge base for further analysis
- Exploit this data by developing and employing a range of highly scalable online event detection and prediction models, visualization models, and decision-support models that will deliver pertinent information to the decision maker..."
Der erste Prototyp der entwickelten Informationssoftware wurde bereits auf der ABI Lab Konferenz des italienischen Bankenverbandes in Mailand vorgestellt und stieß laut Entwickler dort auf großes Interesse. Aktuell ist die entwickelte Technologie in der Lage, das Sentiment aus Twitter-Mitteilungen und Finanzmarktblogs zu extrahieren und zu analysieren, um Aktienpreisbewegungen und die Handelsaktivität an Börsen besser beurteilen zu können.
Auch für regulatorische Instanzen bietet das Projekt einen Mehrwert, da es die frühzeitige Erkennung manipulativen Verhaltens durch einzelne Marktteilnehmer ermöglicht. So kann das System die gezielte Platzierung falscher Informationen mit der Absicht illegaler Preismanipulation identifizieren. „Dies bietet zukunftsweisende Möglichkeiten, die Effizienz von Handelsüberwachung und Finanzmarktregulierung zu steigern“, so Spankowski. In einer späteren Version soll der Prototyp auch in der Lage sein, Reputationsrisiken zu erkennen. Der mit diesen Risiken verbundene Vertrauensverlust kann eine Bedrohung für einzelne Institute oder sogar die gesamte Branche darstellen, wie nicht zuletzt die weltweite Finanzkrise zeigte.
Über FIRST:
Das Forschungsprojekt FIRST wurde im Oktober 2010 gestartet und ist bis 2013 angelegt. Das Ziel des Projekts ist die Erschaffung eines neuartigen Informationssystems, das durch den Einsatz künstlicher Intelligenz eine Unterstützung für finanzmarktrelevante Entscheidungen liefert. Das von der Europäischen Union geförderte Forschungsprojekt wird von der Börse Stuttgart und acht weiteren Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, Italien, Slowenien und Spanien umgesetzt. Dem Projekt stehen EU Fördergelder in der Höhe von knapp 4,6 Mio. Euro zur Verfügung.
Zur Börse Stuttgart:
Laut eigenen Angaben ist die Börse Stuttgart für verbriefte Derivate in Europa und Unternehmensanleihen in Deutschland der führende europäische Börsenplatz für Privatanleger. Anleger können in Stuttgart Aktien, verbriefte Derivate, Anleihen, Fonds und Genussscheine effizient und preiswert handeln. Mit durchschnittlich rund 37 Prozent des Orderbuchumsatzes ist die Börse Stuttgart der führende deutsche Handelsplatz im intermediärgestützten Börsenhandel.
Weitere Informationen und Videos zum Projekt finden Sie unter:
Link zum Projekt auf der Internetseite der europäischen Kommission: