"Bewusste Gestaltung, nicht Abschottung ist der Weg." Open Source als Strategie für mehr Resilienz und Technologieoffenheit. Ein Kommentar von Holger Pfister, Vice President DACH bei SUSE.
Zum Hintergrund
Aus übergeordneter Sicht sind IT-seitig heute Themen zu berücksichtigen, die nur bedingt mit Technik und Produkten zu tun haben. Dazu gehört zum Beispiel, wie der Spagat zwischen innovativen KI-Anwendungen und wachsenden Anforderungen an Transparenz, Governance, Rechtssicherheit, Ethik oder lokalen- sowie EU-Compliancevorgaben gelingen kann.
Auch ist Digitale Souveränität in Europa inzwischen kein abstraktes politisches Leitbild mehr, sondern wird durch eine wachsende Zahl regulatorischer Vorgaben konkret eingefordert. Doch die Kluft zwischen Souveränitätsbestrebungen der Unternehmen und bestehenden Abhängigkeiten von US-Hyperscalern ist groß. (1)
Zum Beitrag
„Häufig werden die praktischen Implikationen von digitaler Souveränität vereinfacht und auf Fragen des Datenstandorts oder der juristischen Zuständigkeit reduziert. Auch der formale Sitz oder die Herkunft eines Technologieanbieters gelten oft als entscheidendes Kriterium, was jedoch zu kurz greift. Denn digitale Souveränität umfasst weit mehr: Sie erstreckt sich über technische Architekturen, operative Kontrollmöglichkeiten und strategische Abhängigkeiten.
Entscheidend ist, ob Organisationen ihre Systeme verstehen, Kontrolle über zentrale Komponenten behalten und die tatsächliche Handlungsfreiheit besitzen, Technologiepartner bei sich ändernden Rahmenbedingungen wechseln zu können. Denn die tiefgreifenden Abhängigkeiten in IT-Infrastrukturen sind die eigentliche Herausforderung. Proprietäre Schnittstellen und intransparente Betriebsmodelle schaffen Lock-in-Effekte, die Geschäftsprozesse gefährden können.
Die Lösung liegt nicht in der Abkehr von externen Technologien, sondern in bewussterem Handeln. Es geht darum, über Handlungsoptionen zu verfügen und die richtigen Lösungen auszuwählen, um sowohl Compliance als auch geschäftliche Bedürfnisse zu erfüllen.
Bei alledem müssen Flexibilität und Wahlmöglichkeiten bewahrt werden. Open Source spielt dabei eine zentrale Rolle als Werkzeug für Transparenz und Austauschbarkeit. Offene Standards ermöglichen modulare Architekturen, in denen Komponenten ersetzt werden können, ohne das Gesamtsystem neu aufsetzen zu müssen.
Digitale Souveränität ist damit kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der interne Kompetenz und klare Verantwortlichkeiten erfordert – Stichwort Governance. Wer souverän bleiben will, muss nicht alles selbst entwickeln, aber stets wissen, wer wofür verantwortlich ist und Entscheidungen selbst treffen und umsetzen können. Der Weg führt zu einer IT-Strategie, die resilient und technologieoffen, aber nicht technologieabhängig ist.“
(1) Quelle: Während drei Viertel der europäischen Unternehmen Datenkontrolle bei Cloud-Providern priorisieren, sind laut Synergy Research ebenso viele von US-Hyperscalern abhängig – ein Paradox zwischen Souveränitätsbestreben und bestehender Abhängigkeit.

Im Bild: Holger Pfister, Vice President DACH bei SUSE (Bildrechte: SUSE).
** Zur Person: „Holger Pfister ist Vice President für die DACH-Region bei SUSE. Er verantwortet den Umsatz, die strategische Ausrichtung und die Geschäftsentwicklung von SUSE in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Vorstandsmitglied der Open Source Business Alliance ( https://osb-alliance.de/ ) setzt sich Holger Pfister besonders für den Einsatz von Open Source in der öffentlichen Verwaltung ein. In seiner Rolle bei SUSE unterstützt er Unternehmen, öffentliche Verwaltung und Partner dabei, resilientere IT-Infrastrukturen zu schaffen, die einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der digitalen Souveränität bilden...".
Querverweis:
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