
Neue Leistungs- und energieoptimierte Speichertechnologien sowie intelligente Plattform-Software-API vorgestellt, um Kostenstrukturen und Time-to-Value für Unternehmenskunden zu verbessern…
Hintergrund
Auf dem Innovation Day 2026 am 4. Februar in New York hat Western Digital seine neue, kundenorientierte Speicher-Roadmap vorgestellt und unterstreicht damit die Ausrichtung als Speicherinfrastruktur-Partner für KI-Anwendungen. Der Fokus wird dazu auf skalierbarer Kapazität, Leistungsoptimierungen, mehr Energieeffizienz sowie einer Plattform-API zur kostenoptimierten Speichernutzung liegen.
Die vorgestellten Technologien sollen diese Anforderungen auch in großem Maßstab adressieren, denn mit der starken Zunahme von KI-generierten Daten steigt der Bedarf nach Speicherkapazitäten- und Lösungen unvermindert weiter an. Das Unternehmen stellt ferner unter dem neuen Firmennamen WD einen neuen Markenauftritt vor. Dieser greift visuelle Elemente aus Rechenzentren auf und soll laut WD „die Transformation zu einem Anbieter zentraler Infrastruktur für die KI-getriebene Datenwirtschaft widerspiegeln“.
Speicher-Kapazitätsentwicklung: Weg zu 100 TB und mehr
WD setzt auf einen zweigleisigen Technologieansatz mit ePMR und HAMR und gab nun bekannt, dass zwei seiner Hyperscale-Kunden derzeit UltraSMR ePMR Festplatten** mit der weltweit höchsten Kapazität von 40 TB UltraSMR HDDs qualifizieren. Die Serienproduktion in größeren Stückzahlen ist danach für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Die WD HAMR-HDDs befinden sich laut Anbieter ebenfalls in der Qualifizierungsphase bei zwei seiner Hyperscale-Kunden, bevor die Produktion in 2027 gesteigert werden soll.
WD plant ePMR durch die Nutzung von HAMR-Innovationen auf bis zu 60 TB zu erweitern, ohne den Energieverbrauch dabei weiter zu erhöhen. HAMR soll bis 2029 dann auf 100 TB skalieren. Da beide Technologien auf einer gemeinsamen Architektur basieren, können Fertigungsprozesse effizienter gestaltet und für Kunden der Umstieg auf neue Produkte erleichtert werden.
Für Hyperscaler und Unternehmen bedeutet diese Strategie laut WD „dass ein erzwungener Technologiewechsel oder Anpassungen der bestehenden Infrastruktur nicht erforderlich sind.“ Die Kapazität kann laut WD kontinuierlich auf der vorhandenen Architektur ausgebaut werden.
Anmerkung zur Terminologie: Was ist ePMR?
Um die Aufzeichnungsdichte auf dem Speichermedium zu erhöhen, wählt ePMR im Gegensatz zum herkömmlichen Perpendicular Magnetic Recording (PMR) einen sog. „Bit per Inch (BPI-)Weg“, d.h. während des gesamten Schreibvorgangs wird elektrischer Strom an den Hauptpol des Schreibkopfs angelegt. Dieser Strom ermöglicht ein gleichmäßigeres und schnelleres Umschalten des Schreibkopfes, wodurch Timing-Jitter-Effekte reduziert werden. Ein höherer BPI-Wert wird erreicht, wenn einzelne Datenbits näher aneinander geschrieben werden können, was zu einer höheren Flächendichte führt.
HDD-Performance-Architektur: Geringerer Leistungsunterschied zu QLC-Flash
Um den Leistungsanforderungen von KI-Workloads gerecht zu werden, stellte WD zwei neue Technologien vor, um die Leistungsfähigkeit von HDDs deutlich zu erhöhen. Sie adressieren laut dem Anbieter Anwendungsfälle, die bislang ausschließlich von Flash-Speicher ausgeführt wurden und schaffen somit eine zusätzliche Leistungsklasse, die Geschwindigkeit und Kapazität mit den Kostenstrukturen von HDDs verbindet. Ein Vorteil, da Flash-Speicher aktuell etwa 6- bis 10-fach teurer im Vergleich zu HDDs sind.
"High Bandwidth Drive: Diese Technologie ermöglicht gleichzeitiges Lesen und Schreiben mit mehreren Köpfen auf unterschiedlichen Spuren. Dies führt zu einer bis zu doppelt so hohen Datenbandbreite gegenüber herkömmlichen HDDs bei nur geringen Mehrkosten und keinem zusätzlichen Strombedarf. Diese Technologie hat laut Entwickler das Potenzial einer bis zu 8-fachen Bandbreiten-Steigerung und soll sich bereits zur Validierung bei Kunden im Einsatz befinden.
Dual Pivot Technologie: Diese nutzt einen zweiten, unabhängig arbeitenden Aktuator mit eigener Drehachse und soll innerhalb einer 3,5-Zoll-HDD eine Verdopplung der sequenziellen I/O erreichen. Im Unterschied zu früheren Dual-Aktuator-Ansätzen wird dabei laut WD keine Kapazität geopfert und es erfordert keine umfangreichen Softwareanpassungen bei Kunden. Durch geringere Abstände zwischen den Magnetscheiben können mehr Platter pro HDD verbaut werden, was die Gesamtkapazität erhöht."
In Kombination ermöglichen die beiden Technologien laut Entwickler eine bis zu vierfache Steigerung der sequenziellen I/O-Leistung. Damit lassen sich HDDs mit 100 TB realisieren, wobei die relative I/O-Leistung pro Terabyte der entsprechen soll, die heute zur Verfügung steht. So reduziert sich der Bedarf, zusätzliche SSDs einzusetzen oder bestehende Systeme bei steigenden Kapazitäten neu zu gestalten.Die High Bandwidth Drive Technologie ist laut WD bereits bei Kunden im Einsatz. HDDs mit Dual Pivot sind noch im Labor und sollen ab 2028 verfügbar werden.
Energieoptimierte HDDs oder „die Brücke zwischen warmen und kalten KI-Daten“
KI-Training und Inferenz erzeugen große Mengen an wertvollen „kalten“ Daten, die dennoch innerhalb kürzester Zeit zugänglich sein müssen. Damit sind sie in der Regel zu aktiv für Bandlaufwerke, aber zu teuer für herkömmliche Kapazitätslaufwerke.
WDs plant mit seinen energieoptimierten HDDs hierfür eine speziell entwickelte Lösung anzubieten, die den Stromverbrauch und damit die Betriebskosten reduziert, während der Zugriff weiterhin unter einer Sekunde erfolgt soll – im selben 3,5-Zoll-Formfaktor. Diese HDDs setzen auf höhere Kapazität und deutlich niedrigeren Stromverbrauch zulasten von minimal zufälligen Ein-/Ausgaben für kalte Daten.
Damit verringert sich die Lücke zwischen „warm- und cold storage“ und eine wirtschaftlich nachhaltige Speicherung auch großer KI-Datenmengen soll damit möglich werden. Voraussichtlich ab 2027 gehen laut WD diese energieoptimierten HDDs in die Kundenqualifikation.

Bildquelle: Western Digital.
Plattform-Erweiterung mit offener API
WD kündigte an, sein Plattformgeschäft auszuweiten. Zentraler Bestandteil der Erweiterung ist die Entwicklung von intelligenter Software als Layer über eine offene API, deren Einführung für 2027 geplant ist. Unternehmen mit Datenvolumina von über 200 Petabyte sollen damit die gleiche Speichereffizienz und Wirtschaftlichkeit erreichen, wie sie Hyperscaler heute nutzen.
Die Software-Schicht beschleunigt die Einführung von Speicherinnovationen auf WDs UltraSMR-, ePMR-, HAMR-, HDD- und Flash-Plattformen. Gleichzeitig soll sich so die Zeit bis zur Produktion verkürzen und das Qualifizierungsrisiko über alle Speichertypen hinweg senken lassen.
Durch die Vereinfachung der Bereitstellung von Speicherinfrastrukturen für KI-Workloads kann WD nach diesen Angaben den Nutzen für Kunden schneller realisieren (Time-to-Value), ohne dass bestehende Architekturen angepasst werden müssen… Cloud- und Unternehmenskunden von WD erhalten einen transparenten Weg zur Hyperscale-Ökonomie.
Querverweis:
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