
Agentic AI ist bereits weit verbreitet, die Governance hinkt hinterher. Kontrolle über Daten und Infrastruktur als auch die Verwaltung von externen Anbietern wird als operative Priorität erkannt…
Hintergrund
Red Hat hat am 16. April 2026 in München seine neue Studie zum Thema "Souveräne KI" vorgestellt (1). Für die Studie hat Red Hat nach vorliegenden Angaben jeweils 100 IT-Entscheider aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien und den Niederlanden befragt. Im folgenden finden Sie die Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse:
„Nur 57 % der befragten deutschen Unternehmen haben danach eine Exit-Strategie, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang einschränkt. Gleichzeitig sagen 37 % dieser Unternehmen, dass ein Wechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität hätte. Weitere Ergebnisse:
46 % haben nur teilweise Einblick, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind.
Nur 30 % verfügen über eine ausgeprägte Governance im Bereich Agentic AI.
72 % sprechen sich dafür aus, dass die Politik Open-Source-Prinzipien zur Unterstützung der KI-Souveränität verpflichtend verankert.
Deutlich wird danach eine Lücke zwischen den vorhandenen Strategien und den tatsächlichen Fähigkeiten, den Geschäftsbetrieb im Ernstfall aufrechtzuerhalten. Die Ergebnisse der Studie deuten laut den Verfassern der Untersuchung aber auch darauf hin, dass die meisten Unternehmen die Notwendigkeit einer echten KI-Souveränität erkannt haben und sowohl die Kontrolle über Daten und Infrastruktur als auch die Verwaltung von externen Anbietern inzwischen als operative Priorität ansehen.
Agentic AI weit verbreitet, Governance hinkt hinterher
Deutlicher Nachholbedarf besteht in Deutschland im Bereich Governance: Nur 30 % der deutschen Befragten haben hier angegeben, über entsprechend ausgereifte Strukturen für ihre Agentic-AI-Lösungen zu verfügen.
29 % berichten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken und weitere 27 % geben an, dass ihre Governance lediglich die Grundlagen abdeckt.
Länderübergreifend verfügen 64 % der Unternehmen über zumindest teilweise oder umfassende Strukturen.
Die Gesamtheit der Antworten aller Teilnehmer zeigt, dass die Governance-Reife mit der schnellen Verbreitung von Agentic AI noch nicht Schritt halten kann.

(1) Abb.: „Digitale Souveränität und KI im Ecosystem, Einordnung der Studienergebnisse.“ Im Bild: Dominic Schmitt, Director Ecosystem Central, East, North Europe, Red Hat. Vorstellung der Studie am 16. April in München.
Foto: Storage Consortium.
KI-Souveränität und Open Source rücken in den Fokus
Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Geschäftsprozesse steigt die Bedeutung der Transparenz weiter an.
51 % der befragten deutschen Unternehmen gaben an, vollständig nachvollziehen zu können, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind.
Gleichzeitig räumen damit 46 % ein, keinen vollständigen Überblick zu haben, lediglich bei 3 % bestehen erhebliche Lücken.
Die Zahl der deutschen Entscheider, die sich eine vollständige oder zumindest teilweise Transparenz zuschreiben, liegt damit bei 97 %. Mit diesem starken Wert rangiert Deutschland im direkten Vergleich an erster Stelle vor anderen europäischen Ländern, etwa den Niederlanden oder Italien mit jeweils 90 %.
Um die weiterhin vorhandenen Lücken bei Transparenz und Kontrolle zu schließen, sehen 69 % der IT-Entscheidungsträger in Open Source den entscheidenden Hebel. Der Ansatz bietet ihrer Meinung nach mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie läuft – wichtige Voraussetzungen dafür, Abhängigkeiten zu vermeiden und die Souveränität zu stärken.
Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten danach die größten Beiträge von Open Source zu einem wachsenden Vertrauen in KI-Lösungen durch mehr Kontrolle über die Entwicklung und den Betrieb von KI (69 %), eine größere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen (68 %) sowie mehr Transparenz und eine bessere Prüfbarkeit (68 %).

Bildquelle: Red Hat „Digitale Souveränität und KI im Ecosystem, Einordnung der Studienergebnisse. AI Sovereignty Study Launch Germany" (Auszug, Seite 3).
Deutsche Unternehmen offen zu politisch gesetzten Standards für vertrauenswürdige, souveräne KI: 72 % der Befragten sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und entsprechende Lizenzmodelle vorgeben sollte, um Unternehmen beim Erreichen von KI-Souveränität zu unterstützen.
Laut Hans Roth, Senior Vice President & General Manager EMEA, Red Hat hat sich in der gesamten EMEA-Region die Diskussionen auf Vorstandsebene weiterentwickelt. "Statt um erste Experimente geht es heute darum, wie sich KI so einsetzen lässt, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt." Die Ergebnisse der Studie zeigen laut Roth "eine klare Unterstützung für Open-Source-Prinzipien sowie für eindeutige regulatorische Rahmenbedingungen, die Transparenz und Prüfbarkeit fest in KI-Systemen verankern…“.
(1) Quelle: Die Studie wurde laut Red Hat von Censuswide unter einer Stichprobe von 500 IT-Entscheidungsträgern in den folgenden Märkten durchgeführt: "100 im Vereinigten Königreich, 100 in den Niederlanden, 100 in Frankreich, 100 in Deutschland und 100 in Italien (ab 25 Jahren). Die Datenerhebung erfolgte im Zeitraum vom 20.03.2026 bis 25.03.2026. Censuswide ist Mitglied der Market Research Society (MRS) und des British Polling Council (BPC) sowie Unterzeichner des Global Data Quality Pledge. Das Unternehmen hält sich an den MRS Code of Conduct und die ESOMAR-Prinzipien."
Querverweis:
Unser Beitrag > Digitale Souveränität quo vadis?
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