Geschäftsmodelle neu denken. Mit dem Speicherbedarf steigen auch Transaktionen, Datenbewegungen und betrieblicher Aufwand. Damit wird Storage in diesem Jahr vor allem zu einer Frage der Kalkulierbarkeit…
Hintergrund
KI-Anwendungen, Cyberprotection, regulatorische Aufbewahrungspflichten und hybride IT-Umgebungen lassen die Datenvolumina weiter wachsen. Laut The Data Community hatte das weltweite Datenvolumen bereits 2025 rund 181 Zettabyte erreicht – bei einem jährlichen Wachstum von über 20 Prozent. Dieses setzt sich 2026 weiter ungebremst fort, insbesondere durch KI-getriebene Workloads…
Gerade für Managed Service Provider (MSPs) entsteht daraus ein wirtschaftliches Spannungsfeld, denn Kunden erwarten skalierbare Storage- und Backup-Services für KI-, Compliance- und hybride IT-Szenarien. Gleichzeitig wachsen Speichernachfrage, API-Aufrufe und Datenbewegungen schneller als es klassische Storage-Modelle oft wirtschaftlich abbilden können. Storage droht damit für viele MSPs von einem kalkulierbaren Umsatzbaustein zum Margen-Risiko zu werden.
In folgenden Gastbeitrag mit Daniel Arabié, Vice President Sales EMEA bei Impossible Cloud, wird aufgezeigt, warum steigende Datenvolumina nicht automatisch zu steigenden Umsätzen führen und Storage in 2026 nur dann zum Umsatztreiber wird, wenn MSPs ihr Geschäftsmodell neu denken. Folgende Aspekte werden angesprochen:
- warum mehr Daten ohne neue Service-Modelle vor allem Kosten erzeugen
- weshalb API-, Egress- und Komplexitätskosten klassische Storage-Kalkulationen unrentabel machen
- wie MSPs den Storage als kalkulierbaren, margenstarken Service positionieren können
- welche Rolle transparente Kostenmodelle und echte S3-Kompatibilität für skalierbare Partnerangebote spielen.
„Für Managed Service Provider galt Storage lange als gut planbarer Teil ihres Infrastrukturgeschäftes. Wuchsen die Datenmengen beim Kunden, stieg in der Regel auch der Bedarf an Speicherressourcen. Mehr Kapazität bedeutete mehr Umsatz, bei einer weitgehend nachvollziehbaren Kostenlogik im Hintergrund. Diese Rechnung geht heute immer seltener auf. Zwar wächst der Bedarf an Storage- und Backup-Services weiter, gleichzeitig verändern sich aber die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
KI-gestützte Workloads, häufigere Recovery-Tests, strengere Aufbewahrungsanforderungen und hybride Betriebsmodelle sorgen dafür, dass Storage nicht mehr nur mehr Volumen, sondern vor allem mehr Aktivität bedeutet. Für MSPs ist das entscheidend. Denn die Wirtschaftlichkeit eines Storage-Services hängt zunehmend nicht nur von der belegten Kapazität ab, sondern von Zugriffsmustern, Datenbewegungen und betrieblicher Komplexität.
Warum klassische Storage-Kalkulationen unter Druck geraten
Viele Service-Modelle im MSP-Markt beruhen noch immer auf einer einfachen Logik: Der Kunde kauft Speicherplatz und ergänzende Betriebsleistungen zu einem gut verständlichen Preis pro Kapazitätseinheit. Dieses Modell funktioniert allerdings nur, wenn auch die Kostenbasis des Providers berechenbar bleibt.
Genau hier liegt in der Praxis das Problem. In modernen Cloud- und Object-Storage-Umgebungen werden nicht nur gespeicherte Daten abgerechnet, sondern häufig auch Operationen und Datenbewegungen.
Gleichzeitig steigen mit Backup, Archivierung, Analyse, Security-Scans und hybriden Workflows die Anforderungen an den laufenden Betrieb. Zwei Kunden mit ähnlichem Datenvolumen können dadurch sehr unterschiedliche Kostenprofile erzeugen. Für MSPs bedeutet das: Wer Storage weiterhin primär kapazitätsbasiert kalkuliert, bildet die tatsächliche wirtschaftliche Realität oft nur unzureichend ab. Ein Modell kann technisch gut skalieren und im Partnergeschäft trotzdem wirtschaftlich an Grenzen stoßen.
API- und Egress-Kosten werden schnell zum Margenproblem
In der Diskussion über wirtschaftliche Storage-Modelle wird häufig zuerst auf den Preis pro Gigabyte geschaut. Für MSPs ist diese Kennzahl zwar weiterhin relevant, sie greift aber zu kurz. Deutlich kritischer sind oft die Nebenkosten des laufenden Betriebs. Dazu zählen etwa API-basierte Abrechnungen für Lese-, Schreib- und Metadaten-Operationen.
Für MSPs wird das vor allem dann zum Problem, wenn solche Kosten nicht verlässlich in die eigene Service-Kalkulation übersetzt werden können. Ähnlich verhält es sich mit Egress-Kosten. Sobald Daten regelmäßig aus einer Plattform heraus bewegt werden müssen, etwa für Wiederherstellungen, Tests, Migrationen oder hybride Szenarien, kann aus einem auf den ersten Blick günstigen Storage-Modell ein schwer kalkulierbarer Kostenfaktor werden.
Gerade im Partnergeschäft ist das problematisch. MSPs müssen Leistungen bündeln, Preise festlegen und mit belastbaren Zusagen versehen. Nicht der nominell günstigste Einstiegspreis entscheidet dabei, sondern ob ein Modell auch unter realer Last im Backup-, Restore- und Hybridbetrieb wirtschaftlich tragfähig bleibt.
Auch die betriebliche Komplexität kostet Marge
Neben direkt sichtbaren Gebühren gibt es einen weiteren Faktor, der in vielen Kalkulationen zu wenig Beachtung findet: den operativen Aufwand. Unterschiedliche Abrechnungs-Logiken, proprietäre Besonderheiten einzelner Plattformen oder zusätzlicher Integrationsbedarf verursachen Aufwand, der nicht immer sofort als Infrastrukturkosten erkennbar ist.
Für MSPs wird diese Komplexität schnell zum wirtschaftlichen Thema. Denn jeder zusätzliche Sonderfall belastet Provisionierung, Betrieb, Support und Fehlersuche. Gerade bei standardisierten Services mit vielen Kundenmandanten entscheidet genau diese Betriebsfähigkeit darüber, ob ein Angebot skalierbar und profitabel bleibt.
Worauf MSPs bei Storage-Plattformen 2026 achten sollten
Für Provider reicht es daher nicht mehr aus, Storage ausschließlich nach Kapazität und Basispreis zu bewerten. Entscheidend sind vielmehr einige Kriterien, die im Partnergeschäft direkt auf die Marge einzahlen. Wichtig ist zunächst eine Kostenstruktur, die auch bei intensiver Nutzung nachvollziehbar bleibt. MSPs müssen einschätzen können, welche Folgen hohe Request-Zahlen, regelmäßige Restores oder Datenbewegungen für ihre eigene Kalkulation haben. Modelle mit schwer prognostizierbaren Nebenkosten erschweren stabile Servicepreise gegenüber dem Endkunden.
Ebenso relevant ist die Integrationsfähigkeit in bestehende Backup-, Archiv- und Data-Management-Umgebungen. Im Object-Storage-Bereich spielt dabei S3-Kompatibilität eine zentrale Rolle. Entscheidend ist allerdings nicht der formale Hinweis auf eine kompatible Schnittstelle, sondern ob sich vorhandene Werkzeuge und Prozesse ohne größeren Zusatzaufwand anbinden und automatisieren lassen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Wiederherstellbarkeit: Backup allein genügt nicht, wenn Restores in der Praxis zu langsam, zu teuer oder zu komplex sind. Wer Recovery-Services anbietet, muss deshalb nicht nur die Ablage der Daten, sondern auch die Bedingungen für Rücksicherung, Tests und größere Wiederanläufe berücksichtigen.

Abb.: Cloud Storage Partner Assessment (Bildquelle: Impossible Cloud)
Weshalb offene und europäische Alternativen an Bedeutung gewinnen
Mit dem wachsenden Druck auf Kalkulierbarkeit und Kontrolle rückt auch die Frage nach der Architektur des zugrunde liegenden Storage-Modells stärker in den Vordergrund. Viele MSPs prüfen deshalb genauer, wie stark sie ihre Services an einzelne Plattform-Ökosysteme binden wollen.
Gerade in einem Markt, der von proprietären Abhängigkeiten und schwer vorhersehbaren Nebenkosten geprägt ist, kann es sinnvoll sein, auch europäische Alternativen ins Angebot zu integrieren. Das gilt insbesondere dann, wenn diese transparente Kostenmodelle, offene Standards und eine hohe Integrationsfähigkeit mitbringen. Für viele Provider geht es dabei jedoch nicht um ein Entweder-oder, sondern um mehr Wahlfreiheit in der Partnerstrategie. Interoperable und stärker entkoppelte Ansätze können helfen, Services belastbarer und kalkulierbarer aufzustellen.
Fazit: Storage ist 2026 eine betriebswirtschaftliche Führungsaufgabe
Das Wachstum der Datenmengen sorgt im MSP-Markt weiterhin für Nachfrage. Daraus folgt jedoch nicht automatisch ein gutes Geschäft. Denn mit KI-Workloads, hybriden Infrastrukturen und strengeren Anforderungen an Backup und Aufbewahrung verschiebt sich die wirtschaftliche Logik des Storage-Betriebs.
Für MSPs kommt es deshalb stärker als bisher darauf an, wie transparent, integrierbar und betriebsfähig das zugrunde liegende Storage-Modell ist. Wer nur auf Kapazitätspreise schaut, greift zu kurz. Entscheidend ist, ob sich auch Zugriffe, Datenbewegungen und Recovery-Prozesse dauerhaft kalkulieren lassen. Gerade vor diesem Hintergrund wird die Wahl des richtigen Storage-Partners zu einer strategischen Entscheidung.
Nicht maximale Funktionsfülle, sondern wirtschaftliche Beherrschbarkeit, Offenheit und Integrationsfähigkeit werden für Provider zum entscheidenden Qualitätsmerkmal. Erfolgreich werden vor allem die Anbieter sein, die aus Storage keinen schwer berechenbaren Infrastrukturblock machen, sondern einen sauber kalkulierbaren Service.“
Querverweis:
Unser Beitrag > Podcast: Grundsätze zum Aufbau einer Cyber-resistenten Enterprise Storage Infrastruktur
Unser Blogpost > NIS-2 Richtlinie und Datenspeicher: Auf was Unternehmen achten sollten
Unser Beitrag > Digitale Souveränität quo vadis?