Fast neun von zehn Unternehmen justieren ihre Cloud-Strategie danach neu und stärken on-premise Implementierungen. Datensouveränität ist nicht verhandelbar…
Hintergrund
Die am 15. April 2026 veröffentlichte Studie von Cloudian (S3 Object Storage) zeigt, dass viele der befragten Unternehmen einer Cloud zwar nicht den Rücken kehren, aber angesichts von höheren Kosten und zunehmenden Anforderungen an die Datensouveränität ihre Workload-Aufteilung analysieren und neu ausrichten. (1) Die Umfrage unter 212 leitenden IT-Entscheidern, beauftragt von Cloudian und durchgeführt von Centiment, zeigt:
„89 Prozent der Unternehmen planen, ihre On-Premises-Infrastruktur in den nächsten zwei Jahren auszubauen.
75 Prozent haben in den vergangenen 24 Monaten bereits zumindest einen Teil ihrer Workloads aus der Public Cloud zurückverlagert."
Die Ergebnisse deuten auf ein grundlegendes Umdenken bei der Frage hin, wo Daten grundsätzlich gespeichert werden sollten. Treiber sind dabei vor allem strengere Anforderungen an die Datensouveränität, teils deutlich steigende Kosten in der Cloud sowie KI-Workloads, die die Grenzen einer kosteneffizienten Cloud-Infrastruktur aufzeigen.
Die Umfrage richtete sich besonders an Unternehmen mit einer hohen Cloud-Nutzung. 76 Prozent von ihnen betreiben aktuell mehr als die Hälfte ihrer Workloads in der Public Cloud, umso aussagekräftiger sind laut Cloudian deshalb die Anzeichen einer strategischen Rückverlagerung. Die Befragten sind keineswegs Cloud-Skeptiker, sondern erfahrene Anwender, die gelernt haben, wo das Modell funktioniert und wo nicht.
Datensouveränität ist nicht verhandelbar
"Der Fokus auf Datensouveränität ist eines der auffälligsten Ergebnisse der Umfrage und zeigt einen nahezu vollständigen Konsens:
99 Prozent der Befragten geben an, dass das Thema mindestens eine mittlere Rolle bei Infrastruktur-Entscheidungen spielt.
82 Prozent bezeichnen sie sogar als zentralen oder wesentlichen Treiber.
59 Prozent, äußert Bedenken, dass Cloud-Anbieter auf ihre Daten für Analysen oder Model Training zugreifen könnten.
53 Prozent unterliegen vertraglichen Vorgaben von Kunden oder Partnern, die einschränken, wo Daten gespeichert werden dürfen.
45 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwei Jahren Änderungen erlebt, die neue Beschränkungen für grenzüberschreitende Datenübertragungen mit sich brachten."
Daneben erhöhen regulatorische Entwicklungen weiter den Druck auf Unternehmen. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Dynamik von Data-Localization-Gesetzen in der EU, im asiatisch-pazifischen Raum und in anderen Regionen wider. Laut Cloudian ist On-Premises dann keine Legacy-Option mehr, sondern oft die einzig praktikable Lösung, falls sich Anforderungen an Data Residency nicht sauber mit den aktuell verfügbaren Cloud-Regionen abbilden lassen.
Cloud-Kosten haben sich deutlich verändert
Die Einschätzung der veränderten Kostenfrage zeigt: 84 Prozent der Studienteilnehmer das Budget für ihren Cloud-Speicher und knapp jedes fünfte Unternehmen liegt mehr als 30 Prozent darüber. Die Ursachen für die Kostenzunahme von Unternehmen, die Cloud im großen Maßstab einsetzen:
"Data-Egress-Gebühren stehen mit 46 Prozent an erster Stelle.
Mit 45 Prozent folgt das Thema steigende Kosten durch weiter wachsende Datenmengen im Petabytebereich.
43 Prozent geben höhere Preise für Regionen an, die Data-Residency-Anforderungen erfüllen.
Nur ein halbes Prozent der Befragten blieb danach unter ihrem Budget."
KI beschleunigt diese Entwicklungen
Wenn Datensouveränität und Kosten die strukturellen Treiber sind, sorgt KI für die Dringlichkeit.
"85 Prozent der Befragten geben an, dass KI-Anforderungen ihre Hinwendung zu On-Premises-Infrastruktur beeinflussen.
Mehr als die Hälfte, 55 Prozent, sagt auch, dass die Cloud die Anforderungen an die Latenz für die KI-Inferenz nicht zuverlässig erfüllt.
52 Prozent müssen ihre Trainingsdaten für KI aus Sicherheits- oder Compliance-Gründen On-Premises halten."
Wichtige Infrastruktur-Prioritäten für 2027
57 Prozent benennen KI- und ML-Infrastruktur auf Platz eins. Dahinter folgen Datensouveränität und Sicherheit mit 56 Prozent sowie Kostenplanbarkeit mit 54 Prozent. Dass diese Ergebnisse so knapp beieinander liegen, zeigt laut Untersuchung auch, wie eng die KI-Ziele mit Fragen der Datensouveränität und Wirtschaftlichkeit verknüpft sind.
Gezielte Neuausrichtung und Hybride Modelle im Fokus
Die Umfrage macht laut Cloudian deutlich: Unternehmen werden die Cloud nicht grundsätzlich verlassen, rund 30 Prozent bauen ihre Cloud-Nutzung weiter aus. Das treffendere Bild ist somit die gleichzeitige Expansion und Rückverlagerung im Rahmen einer bewusste Strategie. Organisationen optimieren ihre Workload-Platzierung, statt sich für eine Seite zu entscheiden.
Fazit von Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances von Cloudian: „Hier geht es nicht darum, dass Unternehmen der Cloud den Rücken kehren. Es geht darum, dass sie ihre Workload-Platzierung intelligenter gestalten. Unternehmen wissen inzwischen, wo die Cloud funktioniert und wo nicht…“.
(1) Quelle & Methodik der Umfrage: „Die Umfrage wurde von Centiment im Auftrag von Cloudian im Februar 2026 durchgeführt. Befragt wurden 212 leitende IT-Entscheider und zentrale Einflussnehmer in Unternehmen mit umfangreicher Nutzung der Public Cloud. 96 Prozent der Teilnehmenden gaben an, primäre Entscheider oder maßgebliche Einflussnehmer in Infrastrukturfragen zu sein. Die Umfrage enthielt eine integrierte Kontrollfrage zur Aufmerksamkeit. Alle 212 Antworten erfüllten diese Anforderung.“

Im Bild: Sascha Uhl, Senior Solutions Architect Channels and Alliances bei Cloudian (Quellle: Cloudian).
Querverweis:
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