
Die Übernahme von VMware durch Broadcom verändert den Markt für (regionale) Cloud Service Provider. Warum Souveränität, Anbieterabhängigkeiten und Plattformstrategien neu bewertet werden müssen…
Hintergrund
Seit Oktober 2025 hat Broadcom das VMware Cloud Service Provider (VCSP) Program offiziell beendet. An seine Stelle tritt ein neues Partnermodell rund um VMware Cloud Foundation (VCF). Im folgenden Kommentar beschreibt Sebastian Scheele, CEO und Co-Gründer von Kubermatic, weshalb aus seiner Sicht Souveränität, Anbieterabhängigkeit und Plattformstrategie deshalb neu bewertet werden sollten. (1)
Zum Beitrag
„Für viele regionale Cloud Service Provider (CSPs) und Managed Service Provider (MSPs) hat das Ende VMware Cloud Service Provider Programms erhebliche Folgen. Besonders Anbieter in Deutschland, der Schweiz und der DACH-Region können bestehende Verträge nicht mehr verlängern oder neue VMware-Kunden aufnehmen. Viele prüfen deshalb, wie sie Kunden weiterhin wirtschaftlich, compliant und souverän bedienen können.
Broadcoms neues Partnermodell erhöht den Handlungsdruck
Viele regionale Anbieter wurden nicht in Broadcoms neues Partnermodell aufgenommen. Für sie entsteht akuter Handlungsdruck. Wenn bestehende Vereinbarungen auslaufen, müssen sie Kunden auf andere Plattformen migrieren oder brauchen alternativ eine neue Virtualisierungsstrategie. Andernfalls riskieren sie, VMware-basierte Dienste nicht mehr anbieten zu können.
Auch Anbieter, die im VMware-Ökosystem bleiben, stehen vor Herausforderungen. Der Wechsel zu VMware Cloud Foundation erfordert häufig ein umfassenderes und teureres Abonnementmodell. Statt nur benötigte Komponenten zu lizenzieren, müssen Anbieter oft größere Plattformpakete erwerben. Das erhöht die Kosten und setzt Margen zusätzlich unter Druck.
Ein neuer Hypervisor löst das Lock-in-Problem nicht
Der Wechsel zu einem anderen proprietären Hypervisor löst das Grundproblem jedoch nicht. Vendor Lock-in bleibt bestehen. Lizenzmodelle können sich ändern, Anbieter übernommen werden und Preise steigen. Das Risiko verlagert sich nur auf den nächsten Anbieter.
Hinzu kommen wachsende Anforderungen an digitale Souveränität. Europäische Organisationen wollen kritische Workloads unter lokaler Kontrolle betreiben und ihre Abhängigkeit von Plattformen in ausländischem Besitz reduzieren. Für Cloud Service Provider wird Souveränität dadurch zunehmend zu einem Wettbewerbsmerkmal.
Viele Cloud Service Provider nutzen die aktuelle Marktlage deshalb für eine strategische Neubewertung. Im Mittelpunkt stehen offene Standards, Open-Source-Technologien und langfristige Plattformkontrolle. Die VMware-Änderungen zeigen, welche Risiken entstehen, wenn ein Geschäftsmodell auf einer einzigen proprietären Plattform aufbaut.
„Open Source ist hier nicht nur eine technische Alternative, sondern eine strategische Grundlage für Souveränität“, sagt Joana Figueiredo, Product Marketing Manager bei Kubermatic. „Cloud Service Provider müssen heute sicherstellen, dass sie Plattformen langfristig kontrollieren können – technologisch, wirtschaftlich und regulatorisch.“
Open Source als Grundlage souveräner Cloud-Infrastrukturen
Als technische Alternative rücken Kubernetes und KubeVirt stärker in den Fokus. KubeVirt ermöglicht den Betrieb klassischer virtueller Maschinen neben containerisierten Anwendungen innerhalb von Kubernetes. Damit entsteht eine einheitliche Plattform für Legacy-Workloads und Cloud-native Anwendungen.
KubeVirt allein reicht jedoch nicht aus. Für Plattformen im Unternehmenseinsatz brauchen Organisationen weiterhin Lifecycle-Management, Automatisierung, Mandantenfähigkeit, Self-Service-Funktionen, Upgrades, Sicherheitskontrollen und Tools für den Betrieb. Nur so lassen sich Produktionsumgebungen im großen Maßstab zuverlässig betreiben.
Kubermatic positioniert sich in diesem Umfeld als Anbieter offener, souveräner Alternativen zu VMware. Das Unternehmen aus Hamburg unterstützt Cloud Service Provider beim Aufbau und Betrieb moderner Cloud-Plattformen. Grundlagen sind die Kubermatic Kubernetes Platform, Kubermatic Virtualization und KubeVirt. Mit diesem Ansatz können Anbieter virtuelle Maschinen und Kubernetes-Workloads auf einer gemeinsamen Plattform betreiben. Gleichzeitig vermeiden sie Lizenzbeschränkungen und Vendor Lock-in klassischer Virtualisierungs-Stacks.
Swisscom zeigt den Einsatz im produktiven Betrieb
Ein Praxisbeispiel ist Swisscom, der führende ICT-Anbieter der Schweiz. Das Unternehmen setzte diesen Ansatz beim Aufbau einer Cloud-Plattform der nächsten Generation ein. Zielgruppe waren stark regulierte Kunden mit hohen Anforderungen an Kontrolle, Resilienz und Souveränität.
Statt die bestehende Virtualisierungsumgebung zu erweitern, baute Swisscom gemeinsam mit Kubermatic eine Open-Source-Plattform auf. Damit wurde ein einheitliches Betriebsmodell für virtuelle Maschinen und Kubernetes geschaffen.
Die Plattform wird weiterhin vollständig von Swisscom betrieben. Sie läuft in der Schweiz und unterliegt Schweizer Recht. Damit bleiben Infrastruktur und Daten unter lokaler Kontrolle. Die daraus entstandene Architektur wurde von der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) als Beispiel für die Modernisierung Cloud-nativer Infrastruktur im großen Maßstab anerkannt.
Swisscom führte die Kubernetes-Plattform erfolgreich als interne Container-Plattform des Unternehmens ein. Die neue Plattform bietet Self-Service-Bereitstellung, automatisierte Skalierung, schnellere Updates und höhere Resilienz. Zudem reduziert sie die Abhängigkeit von proprietären Anbietern. Die Einführung verlief schnell: Innerhalb der ersten neun Betriebsmonate waren mehr als 60 Prozent der angestrebten Workloads auf die neue Plattform migriert.
Migration mit kontrolliertem Risiko
Für viele Organisationen ist die größte Herausforderung nicht die Wahl einer Alternative. Entscheidend ist das Management des Migrationsrisikos. Die meisten VMware-Workloads lassen sich erfolgreich migrieren. Zunächst muss jedoch klar sein, welche Workloads unverändert umziehen können. Ebenso wichtig ist, welche Anwendungen modernisiert werden sollten und welche zusätzliche Planung erfordern.
KubeVirt ermöglicht den Betrieb klassischer virtueller Maschinen, ohne Anwendungen innerhalb der VMs zu verändern. So können Organisationen bestehende Investitionen schützen und gleichzeitig die zugrunde liegende Infrastruktur modernisieren.
Es müssen auch nicht alle Workloads als virtuelle Maschinen migriert werden. Viele Organisationen stellen im Migrationsprozess fest, dass einige Anwendungen besser für Container geeignet sind. Die erfolgreichsten Migrationen kombinieren daher meist beide Ansätze.
Kubermatic setzt dafür auf ein schrittweises Vorgehen. Zunächst wird eine vollständige Bestandsaufnahme der VMware-Workloads und Abhängigkeiten erstellt. Danach werden Kompatibilitätsanforderungen, Netzwerkaspekte und Modernisierungspotenziale analysiert.
In einem Pilotprojekt wird anschließend eine kleine Gruppe von Workloads migriert, um Performance und Betriebsprozesse zu validieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse erfolgt der phasenweise Rollout. Dieser Ansatz minimiert Unterbrechungen und erhält Rollback-Optionen. Zugleich reduziert er Risiken über den gesamten Migrationsprozess hinweg.
Strategischer Wendepunkt für europäische Cloud-Infrastrukturen
Das Ende des VMware-CSP-Ökosystems ist deshalb mehr als eine Änderung der Lizenzierung. Es zwingt Anbieter, Souveränität, Anbieterabhängigkeit und Plattformstrategie neu zu bewerten. Swisscom zeigt, dass eine offene Alternative produktiv funktionieren kann. Sie unterstützt virtuelle Maschinen und Cloud-native Anwendungen, ohne neue proprietäre Abhängigkeiten zu schaffen."
Fazit: "Organisationen sollten mit einer strukturierten Bewertung beginnen. Dabei wird ermittelt, welche Workloads virtueller Maschinen bleiben müssen und welche zu Containern modernisiert werden können. Hinzu kommen geschäftliche, regulatorische und souveränitätsbezogene Anforderungen. Vor einer groß angelegten Migration empfiehlt sich ein kleines Pilotprojekt. So lassen sich Performance, Betriebsprozesse und Migrationspfade validieren. Gleichzeitig bleibt das Risiko kontrollierbar."

(1) Im Bild: Sebastian Scheele, CEO und Co-Gründer von Kubermatic (Bildquelle: Kubermatic).
Anmerkung: "Kubermatic bewertet bestehende VMware-Umgebungen, entwickelt Migrationsstrategien und implementiert souveräne Cloud-Plattformen. Grundlage sind Kubermatic Kubernetes Platform, Kubermatic Virtualization und KubeVirt."
Querverweis:
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